Häppy Börsday, deutsche Mark!

Dezember 4, 2011 at 9:59 HPW

Mit der Verabschiedung des Münzgesetzes am 4. Dezember 1871, also heute vor genau 140 Jahren, wurde im gesamten damaligen Deutschen Kaiserreich die Mark als einheitliche Währung mit der inoffiziellen Bezeichnung "Goldmark" eingeführt [1][2]. Hauptmünze war ein 10-Mark-Stück mit einem Gewicht von fast 4 Gramm, einem Goldanteil von 90% [= 3,5838 Gramm] und einem Durchmesser von circa 2 Zentimetern [2].

Nach Stand vom 04.12.2011 entsprechen unsere ehemaligen 10 Mark in etwa tagesaktuellen 150,16 EUR bei einem Goldpreis von 41,90 EUR pro Gramm [3]. Wenn der Monatslohn eines Chemiearbeiters um 1900 bei etwa 120 Mark gelegen hat [4], so waren in dem dieser Summe entsprechenden Zahlungsmittel 43,0056 Gramm tatsächliches Gold. Das sind vom heutigen Wert her 1.801,93 EUR beziehungsweise 3.524,28 DM vor Einführung des Euros [Kurs: 1,95583 DM/EUR]. Ein ganzes Jahrhundert später standen 2005 einem einzelnen Haushaltsmitglied laut Statistischem Bundesamt [Destatis] im Bundesdurchschnitt 1.325 EUR pro Monat zur Verfügung [5].

Auch wenn sich die beiden Einkommenszahlen nicht direkt miteinander vergleichen lassen, sowie die damals gültigen Steuer- und Abgabensätze unklar sind - das BMF betreibt zwar ein hübsches, in der Sache aber vollkommen aussageloses Online-Steuermuseum [6] - könnte der hier skizzierte Einkommensvergleich auf Goldbasis zwischen 1900 und 2005 immerhin darauf hindeuten, dass das personenbezogene Durchschnittseinkommen dieser Tage in seiner prachtvollen Höhe womöglich einem musealen Einkommensfossil des letzten Jahrtausends entspricht.

Allerdings ist aus heutiger Sicht anzumerken, dass aufgrund des archaisch anmutenden Goldanteils im Zahlungsmittel der Chemiearbeiter wohl ein wesentlich wertstabileres Tauschmittel im Geldbeutel hatte, als wir mit unserem känozoischem Euro. Zumal lag der damalige Bierpreis mit 24 Pfennig pro Liter [4] bei 2 Promille des Einkommens, was - (G)astronomen aufgepasst - vom heutigen Goldwert her lächerlichen 1,80 EUR pro Halbe entsprochen hätte, die aufgrund des damals vorherrschenden Wertekanons wohl auch noch korrekt eingeschenkt war. Insofern sollten wir innehalten und ein besinnliches Adventsmoment abwarten, bei Grog und Makronen mit unseren wertvollen Euronen klimpern oder in unseren Taschen rascheln und dabei einen von ganzen Herzen kommenden tiefen Dank aussprechen für das, was immer zukünftig zu adveniren sich aus dieser Richtung andeutet:

Danke, ihr Eliten, danke Helmut Josef Michael K. (und Helmut Heinrich Waldemar S.), danke Francois, danke Theo, danke Rolling Wolf, danke Schulden-Hans, danke Ännschie, danke Sarko, danke Josef (alter Schwyzer*), danke Europäische Union der schuldensozialisierenden Räterepubliken**, danke Maastricht***, danke EZB, danke PIGS-Staaten, danke Belgien und viele, viele mehr. Danke auch dir, deutscher Michel, schlaf gut und träume süß, eingelullt vom geheimnisvollen Rascheln des harten, starken Eurubels in Deinem Beutel, denn:

  • + Erstens, jawoll, der Euro ist stabil.
  • + Zweitens, genau, Europa ist keine Transferunion.
  • + Drittens, sicher, wir bürgen nicht für die Schulden anderer Euroländer.
  • + Viertens, "dath itht klar, thind im Thweifel die Tranthferempfänger von Bürgthafthleithtungen thythtemrelevant." ****
  • + Und, fünftens schließlich (ist gleich erstens), der Euro ist stabil.

Und selbst im Traum oder beim zukünftigen Auslöffeln der Suppe sollten wir, das gemeine, wirklich gemeine Volk, immer daran denken: Wer hat uns denn die ganze Erfolgsgeschichte von der Abschaffung der D-Mark eigentlich eingebrockt? Vielleicht sollten wir uns endlich dafür einsetzen, dass Politiker zukünftig für ihr Tun im rechtlichen Sinne haften müssen, statt dies immer nur von unserer Großvätergeneration vorzuhalten: "Hättet ihr damals nur..."

Quellen [abgerufen am 04.12.2011]:
+ [1] http://de.wikipedia.org/wiki/Goldmark
+ [2] http://www.germanycash.de/mark/goldmuenzen-kaiserreich.html
+ [3] http://www.finanzen.net/rohstoffe/goldpreis/euro
+ [4] http://wiki-de.genealogy.net/Geld_und_Kaufkraft_ab_1871
+ [5] Destatis: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen - Nettoeinkommen und Zahl der Haushalte [...] - 1991 bis 2005
+ [6] Steuermuseum Bundesfinanzministerium

* In vergangenen Zeiten intensiver Subsistenzwirtschaft benannte der Begriff des "Schweizers" den Berufsstand der Melker. Ähnlichkeiten mit dem heutigen Bankenwesen und des Bürgers als dessen politisch vorgeschobener Nährkuh sind rein zufällig.

** EUdssR

*** von Mostricht (?) = "Senf"

**** Sorry, Ännschie, ist nicht so gemeint mit deinem "tie äiddsch".

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